Zusammenstellung eines PC für Linux

Man kann selbstverständlich jeden herkömmlichen Rechner mit einer Linuxdistribution ausrüsten, und sei er bei Aldi gekauft. Hilfreich ist in diesem Falle, sich vorher wenigstens nach Unterstützung bereits vorhandener Pe­ri­phe­rie zu erkundigen. Für Scanner gibt es etwa das Sane Projekt, für Drucker eine Zusammenstellung bei ubuntuusers.de und insgesamt Angebote bei linuxundich.de.

Will man nicht ins Blaue schießen, empfiehlt es sich, den Rechner selbst in einem auf Linux spezialisierten Shop zu bestellen, etwa bei ixsoft.de. Ich habe den Anbieter schon der Verwandtschaft empfohlen, die damit gut gefahren ist. Nachteil: Man erfährt meist nicht, welche Hardwarekomponenten verbaut wurden. Wichtig ist dies -nicht nur, aber ganz besonders- bei Netzteilen. Wer sich etwas mehr Mühe machen will, erkundigt sich nach der Kompatibilität nebst Hochwertigkeit einzelner Hardwarekomponeten und stellt sich den Rechner selbst zusammen, etwa wie folgt:

  • ASUS H87-PRO Mainboard
  • Core i3-4150 CPU
  • 2x2GB G.Skill DDR3-1600 RAM
  • Samsung Momentus Spinpoint M8 1TB Festplatte (HDD)
  • Crucial M500 240 GB Festplatte (SSD)
  • LG GH24NS DVD-Brenner
  • Aerocool V3X Advance Black Edition Gehäuse
  • Aerocool Strike-X 500 Watt 80+ Bronze Netzteil
  • LogiLink USB 2.0 All-in-one Cardreader
  • Delock Einbaurahmen für 3,5 Zoll Geräte in 5,25 Zoll Schächte

Eine Schwachstelle meist mit Windows betriebener Komplettrechner, die im Nachhinein mit einer Linuxdistribution versehen wurden, ist der Kartenleser. Er versagt häufig beim direkten Einschub z. B. einer SD-Karte. Hier hilft nur ein externes Kartenlesegerät. Das Problem erledigt sich aber auch mit dem LogiLink USB 2.0 All-in-one Cardreader, welcher intern via USB angeschlossen und entsprechend von Linux erkannt wird. Da er für kleine Einschübe konstruiert wurde, ist noch ein Einbaurahmen einzuplanen, damit alles schnittig aussieht.

Auch WLAN-Karten werden nicht immer out-of-the-box unterstützt. Unter Ubuntu habe ich zwar noch nie Probleme beobachten können. Bei anderen, weniger kommerziellen Linuxdistributionen ist jedoch meist Zusatzaufwand (Selbstkompilieren von Treibern usw.) erforderlich. Wer etwa Debian nutzt, muss für den Betrieb einer Realtekkarte das Paket firmware-realtek-0.36+wheezy.1 einspielen. Eine Alternative zu eingebauten Karten wäre ein WLAN-Stick, wie der TP-LINK TL-WN722N, den man an jeden Rechner hängen kann, bei dem man WLAN benötigt.

Besonderheiten:


Rote Puffbeleuchtung des Lüfters und…

…rattenscharfer Aufkleber des Netzteils.

Hingegen höchst nebensächlich, aber doch irgendwie praktisch:

USB BIOS flashen ohne CPU und Co..

Die Vorgehensweise: Dateien auf einem Stick speichern, diese entsprechend der Bedienungsanleitung des Boards umbenennen, Stick einstecken, 3 Sekunden den Resetknopf drücken und warten, bis das Blinken der Power-LED aufhört. Damit wäre das Update erledigt. Es sollte jedoch ohnehin nur aktualisiert werden, wenn irgend etwas nicht funktioniert.

Die oben aufgeführte Hardware war zur Zeit des Erstellens dieses Beitrages recht neu (das Board existiert schon etwas länger, während die CPU des Haswell-Refresh aus dem zweiten Quartal 2014 stammt) und wird deshalb vom aktuellen Debian Wheezy nicht voll unterstützt. Daher empfiehlt es sich für jene, die unbedingt Debian nutzen und auf keine andere Distribution mit neuerem Kernel, wie z. B. Fedora, zurückgreifen möchten, die Nachfolgeversion Jessie zu installieren.

Die sources.list könnte so aussehen:

deb http://ftp.debian.org/debian/ wheezy-updates main
deb-src http://ftp.debian.org/debian/ wheezy-updates main

deb http://http.debian.net/debian/ wheezy main contrib non-free
deb-src http://http.debian.net/debian/ wheezy main contrib non-free

deb http://http.debian.net/debian wheezy-backports main contrib non-free
deb-src http://http.debian.net/debian wheezy-backports main contrib non-free

deb http://http.debian.net/debian/ jessie main contrib non-free
deb-src http://http.debian.net/debian/ jessie main contrib non-free
deb http://www.deb-multimedia.org jessie main non-free

Das Betriebssystem wird auf der SSD installiert, damit das System und alle Anwendungen schnell starten. Bild-, Musik-, Textdateien etc. werden auf der HDD gespeichert, um sie bei Bedarf auf die SSD zu kopieren und dort zu bearbeiten. Von der SSD wird zu Sicherungszwecken ab und an mittels Clonezilla ein Image des Betriebssystems gezogen. Die Dateien der HDD werden über ein Backupprogramm täglich gesichert, wobei ich unter Debian Grsync  (rsync + GUI) bevorzuge.

18 comments on Zusammenstellung eines PC für Linux

  1. Eine Schwachstelle meist mit Windows betriebener Komplettrechner, die im Nachhinein mit einer Linuxdistribution versehen wurden, ist der Kartenleser.

    Die viel größere ist Linux, übrigens. Ansonsten: Hardware zu neu für Linux? Sagt alles Nötige über Linux aus.

    (n.b.: Dies wäre jetzt der Moment, um dich über meine Windows-8-Tweets lustig zu machen.)

    1. Ging ja nur um die CPU mit integrierter Grafikeinheit. Das ist eben schwierig mit einem Kernel, der vor dem Release der neuen Haswell-Prozessoren herausgekommen ist.

      Das gleiche Problem hättest du unter Windows auch, gäbe es keine aktuellen Treiber von Intel. :nerd:

  2. Hi Didi, Dein neuer Rechner sieht ganz gut aus, finde ich. Das Booten des Betriebssystems von der SSD wird wahrscheinlich viel zügiger gehen, als ich mir das von meiner SATA-Festplatte gewohnt bin. :-D Wie lange beträgt die Startzeit in etwa? Viele Grüsse, Marco.

      1. Das ist glaub ich kein schlechter Wert. Bei meinem nächsten PC-Kauf werde ich bei der Zusammenstellung auf jeden Fall ebenfalls darauf achten, dass eine schnelle SSD drin ist. :-)

          1. Offensichtlich bist du über die Funktionsweise des Ruhezustands tatsächlich nicht informiert. Linsuxer halt.
            Stichwort: Zustand speichern, Rechner aus, Zustand einfach wieder abrufen. Mit SSD eine Sache von wenigen Sekunden.

            Lahmes Linsux.

  3. Wenn man das liest, wird man fast nostalgisch :) Erinnert mich an früher, als man sich riesige Tower ins Zimmer gestellt hat. Die Dinger waren unverwüstlich und wenn etwas langsam/kaputt war, war der Austausch kein Problem.

    Allerdings sind (für mich) heute andere Dinge – zu Recht – in den Fokus gerückt. Mich als Nutzer interessiert es nicht mehr wie viel RAM oder was für eine CPU/GPU verbaut ist. Das Ding soll einfach stabil und performant sein. Wichtige Faktoren sind heute vor allem das Display (die wichtigste Schnittstelle!), Lautstärke und Energieverbrauch.

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