Volumio auf dem Raspberry Pi 3 mit HifiBerry DAC +

Ich hatte in diesem Blog beschrieben, wie man den Raspberry Pi mit Raspbian, MPD und Ario als Webradio und als Mediaplayer für die heimische Musikanlage, die in meinen Fall per Cinch-Kabel mit dem Pi verbunden ist, einrichtet, was mit einiger Frickelei einherging. Nun funktioniert mein System seit 2015 hervorragend ohne irgendwelche Abstürze. Allerdings gibt es ein Problem: Nach dem Upgrade Raspbians von Version 8 auf 9 wird mein Stick mit den Musikdateien nicht, wie zuvor, per usbmount in /media/usb0 eingehängt, sondern plötzlich in /media/pi/name_des_sticks. Es ist, als werde usbmount ignoriert. Die alte usbmount-Konfigurationdatei /etc/usbmount/usbmount.conf blieb beim Upgrade unangetastet. Man konnte beim Upgrade entscheiden, ob man die alte /etc/mpd.conf behalten oder durch eine neue ersetzen lassen möchte. Ich hatte beides ausprobiert. Zwar findet Ario noch die Radiosender, die ja mit dem Stick nichts zu tun haben. Jedoch findet das Programm nicht mehr die dort gespeicherten Musikdateien.
Alle Lösungsmöglichkeiten, den Stick über /etc/fstab einzubinden, um Ario zum Abspielen zu bewegen, schlugen fehl. Die Möglichkeit, usbmount zu deinstallieren und gemäß meiner Blogbeiträge die /etc/fstab zu ändern, führten dazu, dass ich mich nicht mehr über Putty einloggen konnte. Eine Anleitung des elektronik-kompendium behob das Problem teilweise. Der Stick wurde nun zwar eingebunden, aber Ario spielte die abgelegten Musikdateien dennoch nicht ab.

Daher hatte ich zunächst auf ein Upgrade auf Raspbian 9 verzichtet und beabsichtigt, den aktuellen Unterstützungszeitraum bis zum Ende voll auszunutzen, um dann die Micro-SD plattzumachen und Raspbians Folgeversion zu installieren.

Nun hat mir aber Steffen von kafferinge.de die Entscheidung abgenommen. In seinem Beitrag Super Musik-Player für den Raspberry Pi fasst er seine Erfahrungen mit Volumio unter besonderer Berücksichtigung der Bedienung über ein Smartphone zusammen, was mich veranlasste, das Programm selbst auszuprobieren. Entscheidend dafür war auch die Möglichkeit von Updates auf Knopfdruck (Seamless update system: no need to reinstall when a new version is available).

Wir benötigen eine ausreichend große Micro-SD-Karte für den Pi. Ich hatte gerade eine 16er zur Hand. Außerdem ist ein ausreichend großer USB-Stick für die Musiksammlung hilfreich.

Nach dem Download des rund 309 MB großen Paketes entpackte ich dieses zu einem Image von etwa 2,9 GB, welches ich mit etcher

auf die Micro-SD-Karte schrieb, die ich dann in den Slot des Pi steckte, welchen ich, nachdem ich auch den Stick mit dem Rechner verbunden hatte, durch Anschluss an das Stromnetz startete.

Als das System hochgefahren war, rief ich Volumios Oberfläche mit dem Browser meines Desktops und unter Eingabe meiner IP (die ist dem Backend des Routers zu entnehmen) mit Zusatz http://123.456.789.10/wizard bzw. volumio/wizard auf (später erreicht man Volumio dann mit volumio/local oder schlicht volumio). Es waren nur wenige Voreinstellungen zu bestätigen. Meine Soundkarte, der HifiBerry, wurde automatisch erkannt. Da ich die Verbindung über LAN bevorzuge, bin ich die WLAN/Hotspot-Einstellungen übergangen, die jedoch von demjenigen, der das Programm kabellos bzw. per Smartphone steuern möchte, konfiguriert werden sollten.

Mein USB-Stick wurde automatisch eingebunden: Ich fand ihn unter Durchsuchen -> Musikbibliothek.

Mit dem Klick auf Durchsuchen findet man auch das Webradio mit vielen voreingestellten Radiosendern.

Außerdem kann man unter Angabe der URL Radiosender hinzufügen, wie in vorliegendem Beispiel meinen Lieblingssender Indie Pop Rocks! von soma fm.

Wichtig für mich ist das Angebot, das System per Knopfdruck aktualisieren zu können, ohne dass irgendwelche Konfigurationsdateien überschrieben werden.

Nach der ersten Einrichtung spielte mein Pi keinen Ton ab, so dass meine Zähne leichte Spuren an der Tischkante hinterließen. Ein beherzter Klick auf Werkseinstellungen löste das Problem kurzerhand.

Vorteilhaft ist auch die Schlaffunktion: Beim Radiobetrieb unter Raspbian schaltete ich den Pi mittels

sudo shutdown -h 50

in den Standby (50 als Beispiel für 50 Minuten). Spielte ich unter Raspbian gespeicherte Musikdateien ab, hatte ich den Rechner so konfiguriert, dass er nach dem Ende eines bestimmten Stückes das Gerät herunterfuhr. Bei Volumio kann ich dies direkt über die Oberfläche erledigen.

Volumio lässt sich auch mit Plugins aufrüsten, um z. B. Musik direkt von Youtube abzuspielen.

SSH ist standardmäßig sicherheitshalber deaktiviert und lässt sich auf zwei Weisen aktivieren. Die einfachere: Man rufe per Browser die Seite http://volumio.local/DEV/ auf und klicke bei SSH auf enable. Dann kann man sich z. B. per Putty unter Angabe der IP einloggen. Standardnutzername: volumio; Standardpasswort: volumio.

Um das Passwort zu ändern, wie bei Linux üblich:

 passwd

Es ist das Leerzeichen am Anfang vorstehender Zeile zu beachten. Dann das aktuelle Passwort einmal und das neue zweimal eingeben. Allerdings ist nach einer Änderung des Passwortes derzeit keine Installation der Plugins möglich. Diese sollten also vorher installiert worden sein. Eine Änderung des neuen in das alte Passwort, um das Problem zu umgehen, ist nicht möglich, weil Volumio das alte Kennwort als zu einfach verwirft. Eine weitere Alternative wäre, es beim alten Passwort zu belassen und SSH nur kurzfristig für Updates per Putty/Konsole zu aktivieren.

Update/Upgrade erfolgt ebenfalls wie üblich:

sudo apt update

sudo apt upgrade

Zusammenfassend ist Volumio für denjenigen interessant, der ohne jede Frickelei schnell zu einem Ergebnis kommen will. Ich empfehle aber zum Pi 3 eine zusätzliche Soundkarte, wie z. B. den HifiBerry DAC +, da der Sound des Pi selbst ziemlich schwach ist. So kommen auch Laien für rund € 100,- mit wenig Aufwand zu einem hervorragenden Webradio und Mediaplayer. Zudem können vorkonfigurierte Geräte über Volumios Webseite erworben werden.

Zur Schnellstartanleitung.

7 comments on Volumio auf dem Raspberry Pi 3 mit HifiBerry DAC +

  1. Die Kombi ist als Hi-Fi-Ergänzung bislang das Beste, was mir untergekommen ist. Volumio basiert direkt auf Raspian und bindet nur eine eigene Paketquelle für die Oberfläche (Fork von RaspyFi) ein. Wer lieber auf Arch Linux setzen möchte, kann alternativ RuneAudio nehmen – gleiche Oberfläche nur in blau. Volle DAC-Unterstützung, MPD, Anbindung an die Shoutcast-Web-API, (ein fast funktionierendes Spotify-Plugin), Touch-kompatible Web-Oberfläche und offizielle Paketquellen … Unendliche Möglichkeiten \o/

    Das Gerät lässt sich auch über Airplay/UPnP bespielen, womit man also von irgendeinem Gerät mit brauchbarer Spotify-App auch das oder einen anderen Musikdienst streamen kann. Außerdem kann man einen Monitor anschließen und Volumio startet einen XServer mit Openbox und die Weboberfläche in Chromium im Vollbild. Letzteres kann man meiner Meinung nach noch optimieren, aber das sei den Entwicklern nicht nachgetragen, weil die Variante vermutlich kaum jemand benutzt.

  2. Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass auf der lokalen Seite, mit der man Volumio steuert, Scripte von Google Analytics und Facebook mitlaufen. Schade.

  3. Moin,
    bitte um Hilfe bei diesem Problem!
    Beim Anklicken auf meine Playlist ( ca. 500 Musikstücke ) verschwindet die Schrift Playlists !

    Habe Volumio2

    DANKE für Tips
    Peter

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