NextCloudPlus auf dem Raspberry Pi

Ich hatte bereits in mehreren Beiträgen Möglichkeiten einer Installation Nextclouds auf dem Raspberry Pi vorgestellt, z. B.:

Nach dem damaligen (erfolglosen) Versuch, von Raspbian 8 auf 9 hochzuleveln, was eine Neuinstallation zur Folge gehabt hätte, stieg ich auf Ubos um. Ubos finde ich recht klasse, allerdings crashte das letzte Upgrade auf Version 14 wegen einer Nextcloud-Erweiterung. Der Entwickler hat bis zum Verfassen dieses Artikels noch keine fehlerbereinigte Version zur Verfügung gestellt (Update: Mittlerweile sei der Fehler behoben, heißt es), was mich veranlasste, nach einer weiteren Alternative zu suchen.

Nextcloudbox scheiterte daran, dass ich keinen ssh-Zugang erhielt, den ich aber benötige, um mein System über die Konsole zu pflegen.
Heute habe ich mich mit NextcloudPlus, vormals NextCloudPi befasst (Update 30. 5. 2018: Mittlerweile verbleibt es doch beim Namen NextCloudPi aufgrund rechtlicher Probleme). Dabei handelt es sich um ein fertig eingerichtetes Raspbian 9-Image mit Nextcloud 13, welches „nur“ auf eine SD-Karte geschrieben werden muss. Ich habe unten einige Links aufgeführt, so dass ich mich auf das Wesentliche beschränke.

Ich habe die Torrent-Datei heruntergeladen und mit Deluge geöffnet, um darüber das gesamte Image nachzuladen. Denn bei Nutzung des direkten Image-Links brach der Download ab.


Nach dem Entpacken schrieb ich das Abbild mit Etcher auf die 15 GB große SD-Karte.


Ich habe einen Bildschirm über ein HDMI-Kabel mit meinem Pi verbunden und eine Tastatur angeschlossen. So konnte ich nach dem Einführen der SD-Karte in den Slot des Pi den Bootvorgang verfolgen und hier bereits einige Einstellungen vornehmen.

Zum Einloggen waren die Angabe des Benutzernamens pi und des Passwortes raspberry erforderlich. Über
sudo raspi-config

gelangte ich zum Konfigurationswerkzeug, wo ich zunächst unter 1. das Standard-Passwort änderte.


Unter 5. Interfacing Options aktivierte ich den ssh-Server, um später gegebenenfalls über Putty bzw. die Konsole weiter konfigurieren zu können.


Unter 4. änderte ich die System-Sprache des Raspberry Pi. Ich wählte die deutsche Sprache de_DE.UTF-8 UTF-8 aus und die englische en_GB.UTF-8 UTF-8 ab.

Die deutsche Spracheinstellung war dann noch einmal zu bestätigen.


Mit
sudo ncp-update

brachte ich das System auf den neusten Stand.


Alles weitere erfolgte erfreulicherweise über eine GUI. Um dahin und zu Nextcloud zu gelangen, waren im Router -vorliegend eine FRITZ!Box– die Ports 443, 80 und 4443 zu öffnen. Unter Heimnetzübersicht -> Netzwerkverbindungen und mit Klick auf das Bearbeiten-Icon war mittels eines Häkchens dem Pi immer die gleiche IP-Adresse zuzuweisen. Zuvor hatte ich mir bei no-ip eine statische IP-Adresse (DDNS-Dienst) besorgt, damit mein Pi auch von außen über das Internet und nicht nur über das lokale Netzwerk erreichbar ist.
Die GUI bzw. das Panel ist recht übersichtlich, allerdings teilweise in englisch gehalten. Beim ersten Aufruf des Panels sind der Nutzername ncp und ein Passwort vorgegeben, die man sich beide notieren sollte. Das Passwort kann später im Panel geändert werden. Wir benötigen beide Angaben immer, wenn wir nach dem Schließen des Browsers erneut auf das Panel zugreifen möchten.

Die wichtigsten Einstellungen dürften ssh (soweit noch nicht aktiviert),

die Passwortänderungen

und letsencrypt sein: Dort trägt man seine von no-ip erhaltene Domain und seine Email-Adresse ein. Das Zertifikat wird automatisch installiert und ebenso automatisch monatlich erneuert.


Um etwaigen Brute-Force-Attacken entgegenzuwirken, stellt NextcloudPlus fail2ban bereit. M. E. sollte dieses Werkzeug erst nach vollständiger Konfiguration und der Passwortvergabe/-änderung aktiviert werden. Denn vertippt man sich bei der Passworteingabe eines Synchronisationsprogrammes, z. B. beim Einstellen des Evolution-Kalenders, verweigert fail2ban für eine gewisse Zeit den Zugriff über die IP, was nervt. Ich rate allerdings dringend zur Nutzung, denn die Anzahl der Zugriffsversuche auf das System ist enorm. China ist ganz groß im Geschäft, was man leicht feststellen kann, wenn man die fail2ban-Email-Benachrichtigung aktiviert.

Interessant sind auch die automatischen Systemaktualisierungen, gegebenenfalls mit einhergehendem Reboot, so dass man sich im Grunde um nichts mehr kümmern muss (Update 30. 5. 2018: mittlerweile können sämtliche relevanten Programmteile automatisch aktualisiert werden: Debian-Pakete, Nextcloud and NextCloudPlus).

Außerdem gibt es verschiedene Sicherungsmöglichkeiten mit automatisch gemountetem USB-Laufwerk, so dass man im Falle einer Neuinstallation seine Konfiguration augenblicklich wiederherstellen kann. Am besten klickt man sich einfach mal durch die einzelnen Punkte der Seitenleiste des NextcloudPlus-Panels. Unter System-Info findet man übrigens eine Zusammenfassung der Konfiguration.

Über die Icons des Panels rechts oben gelangt man zur Nextcloud, zur Nextcloud-Konfiguration, zum NextcloudPlus-Wizard, über den man die Konfiguration schrittweise vornehmen kann, zum Wiki und zu den Herunterfahren- bzw. Neustart-Buttons.

Das Panel erreicht man lokal über die vom Router vergebene IP mit Zusatz :4443/, z. B. https://meine-ip:4443/, wobei meine-ip durch die IP zu ersetzen ist.
Die Nextcloud erreichen wir lokal mit https://meine-ip, wobei meine-ip durch die IP zu ersetzen ist. Von außen erreichen wir Nextcloud mit unserer von no-ip erhaltenen Domain. Wir loggen uns mit dem Benutzernamen ncp und dem Passwort ein.

Da wir ssh aktiviert haben, steht der Systempflege über Putty nichts entgegen.

Interessant könnte es beim nächsten Versionswechsel (von Nextcloud 13 auf 14) werden. Denn hier gibt es üblicherweise die meisten Schwierigkeiten/Crashes. Außerdem könnte eine Neuinstallation beim Versionswechsel von Raspbian 9 auf 10 erforderlich sein, es sei denn, der Entwickler hat dem vorgebeugt, was mir derzeit unbekannt ist.

Weiterführende Links:

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9 comments on NextCloudPlus auf dem Raspberry Pi

  1. allerdings crashte das letzte Upgrade auf Version 14 wegen einer Nextcloud-Erweiterung

    Qualitätssoftware halt.

    Alles weitere erfolgte erfreulicherweise über eine GUI.

    Ein Glück. Der ewige Windowser (derzeit verkappt unterwegs) kann sich immer nur vorübergehend verstellen. Ohne Rumgeklicke dreht der durch. Egal, wie ineffizient, egal, wie viel schneller er mit der Tastatur unterwegs wäre: Der Windowsopa muss es klickebunt haben.

    Interessant könnte es beim nächsten Versionswechsel (von Nextcloud 13 auf 14) werden. Denn hier gibt es üblicherweise die meisten Schwierigkeiten/Crashes.

    Wenn es doch bloß vernünftige Alternativen gäbe…

    Nebenbei bemerkt: Abermals installierst du Software mit Code von mir. Mutig!

  2. Hallo,
    Dank Ihrer Artikel probiere ich vieles mit dem Raspi aus, das mir sonst verschlossen bliebe.
    Ich bin froh, sie im Netz gefunden zu haben.
    Herzlichen Dank!!
    Ein Hinweis: auf der ersten Seite dieses Artikels schreiben Sie den Befehl: sudo rasp-config Es muss lauten: sudo raspi-config.
    Zum Glück sah ich das auf dem Screenshot-Bild.

    Alles Gute für Sie und weiterhin viel Motivation für Ihre Anleitungen :-)

    AL

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