Speichert Mullvad VPN Protokolldaten?

Gestern Abend hatte ich den VPN-Dienstleister Mullvad VPN innerhalb der völlig ausreichenden, 3-stündigen und kostenlosen Testphase ausprobiert und war zunächst begeistert.
Denn Mullvad bietet vorkonfigurierte Installationspakete für debianbasierte Distributionen und für Fedora. Nachdem ich mir die Kontonummer besorgt und den Client heruntergeladen und installiert hatte…

…konnte die Software gestartet…

…und mit wenigen Klicks konfiguriert werden (die Screenshots sind nach Ablauf der Testphase entstanden, weshalb Out of time erscheint). Ich musste lediglich Locale network sharing aktivieren, um auf meinen lokalen Cloudserver (Raspberry Pi mit NextCloudPi) zugreifen zu können.

Wichtig ist für mich, dass bei einer unterbrochenen Verbindung sämtlicher Internet-Traffic automatisch gesperrt wird, bis entweder die VPN-Verbindung wiederhergestellt oder die Verbindung getrennt bzw. die App geschlossen wird, damit er nicht versehentlich aus dem sicheren Tunnel herausgeleakt wird. Außerdem behauptet Mullvad, keine Benutzerdaten zu speichern. Alles Nähere ist in den FAQ nachzulesen.

Die geprüfte Geschwindigkeit und der Preis von € 5,-/Monat sind ok.

Nun stieß ich jedoch auf einen Bericht von VPN Anbieter Vergleich Test, wo es heißt, Mullvad speichere Logdaten der Nutzer, welche die reale IP-Adresse als auch die verwendete VPN-IP-Adressen sowie die Start und Endzeiten beinhalteten (womit der Dienst an sich nutzlos wäre; Verf.). Mit dieser Behauptung konfrontierte ich heute den Anbieter, der zusammengefasst antwortete, dass dieser Review durchaus bekannt und die Behauptung, man protokolliere IP-Adressen und Verbindungszeiten, unwahr sei. Zudem sei man in der Vergangenheit -insbesondere in dem Jahr der Betriebsaufnahme- zusätzlich mit folgenden Behauptungen konfrontiert gewesen:

  • Es sei damals der Squid-Proxy erwähnt worden. Den führe jedoch laut Mullvad kein Server aus.
  • Man habe behauptet, Filesharing sei nicht auf allen Servern erlaubt. Dies sei laut Mullvad unwahr.
  • Man habe behauptet, Portweiterleitung sei nicht möglich. Dies sei laut Mullvad ebenfalls unwahr.
  • Man habe lediglich Kreditkarten und Paypal als Zahlungsoptionen aufgelistet. Das stimme so nicht (es gibt in der Tat weitere Zahlungsmöglichkeiten: Cash, Bitcoin und Bitcoin Cash, um anonym zu bezahlen. Man akzeptiert neben Kreditkarten und Paypal auch Zahlungen über Bankverbindung oder Swish; Verf.).
  • Man habe behauptet, Mullvad biete keine anderen Protokolle als PPTP an (man könne Mullvad VPN daher auf keinen Fall zur Verwendung auf VPN-Routern empfehlen). Dies sei laut Mullvad unwahr.
  • Man habe auch virtuelle Server erwähnt, die Mullvad jedoch nicht einsetze.

Dies seien laut Mullvad nur einige Beispiele für Falschbehauptungen. Der Anbieter hat auch einige mutmaßliche Gründe hierfür genannt, die ich jedoch nicht wiedergeben möchte. Möge sich jeder seinen Reim darauf machen.

Tja: Und nun wird es kniffelig. Wem glaubt man? Oder anders: Kann man Mullvad vertrauen? Ich neige jedenfalls dazu.

7 comments on Speichert Mullvad VPN Protokolldaten?

  1. Sehr gut, ob Nutzerdaten gespeichert werden, ließe sich einfach verifizieren: Man baue 2 oder mehr simultane Verbindungen, ausgehend von unterschiedlichen IP-Adressen auf. Verbietet oder unterbindet der Anbieter das, liegt schon mal der Verdacht nahe, dass irgendwie, irgendwo Daten geloggt oder synchronisiert werden.

    Auch wäre interessant, wie der Anbieter das infrastrukturell gelöst hat: Keine Festspeicher in den Servern und alles nur auf Ramdisks, Start der Systeme per Netboot?

  2. Ich verwendet Mullvad seit fast über einem Jahr und bin wirklich zufrieden, bis jetzt eigentlich keine Probleme gehabt und bei fragen hat der Support schnell geantwortet. Auch die schon relativ große Auswahl an Wireguard-Servern sollte man hervorheben.

    Kann bestätigen das Filesharing /P2P soweit mit allen Servern geht (zumindest die Server/Standorte die ich getestet habe), gleiches gilt für die Portweiterleitung. Die Barbezahlung (via Brief) finde ich Persönlich ganz Praktisch und läuft auch relativ schnell ab.

    @xut es sind 5 gleichzeitige Verbindungen erlaubt, laut deren „Privacy policy“ wird nur die Anzahl der Verbindungen pro Account an einen Zentralen Server gesendet/gespeichert. Ob das wirklich so ist, ist wohl am Ende Vertrauenssach (wie bei allen Anbietern).

  3. Ich habe mich für Mullvad entschieden. Funktioniert super und hat alle möglichen Extras, wie etwa socks-5. Preislich befindet sich der Dienst im mittleren Segment: Preis/Leistung sind optimal.

      1. Sieht gut aus. Die Geschwindigkeit ist meist etwas geringer als ohne VPN, was je nach Server variiert, sich aber beim Betrieb nicht, sondern allenfalls bei Messungen bemerkbar macht. Es gibt auch Gegenmaßnahmen. Am deutlichsten ist die Abweichung des Ping.

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